Eine kleine Geschichte der Zeitmessung

Die Wanduhr, so wie sie uns heute bekannt ist, hat eine lange Geschichte hinter sich. Um zu verstehen, welche Entwicklung die Wanduhr von den ersten einfachen Modellen bis zum heutigen modernen Produkt genommen hat, muss zunächst 6.000 Jahre zurückgeblickt werden.
Aus dem alten Ägypten ist die erste Methode der Zeitmessung bekannt, die sich am Lauf der Sonne orientierte. Mit hohen und aufrecht stehenden Obelisken wurde mithilfe der von ihnen geworfenen Schatten die Zeit gemessen. Doch diese Methode funktionierte nur tagsüber und lediglich bei gutem Wetter.

Wasser- und Kerzenuhren

Erst sehr viel später, vor etwa 3.400 Jahren, hat man dann versucht, sich bei der Zeitmessung mit neuen Methoden von der Sonne unabhängig zu machen. Wasseruhren, die mit dem Wasserabfluss von einem Gefäß in ein anderes den Zeitverlauf maßen, waren von China bis nach Griechenland bekannt. Sie hatten zwar den Vorteil, unabhängig vom Sonnenlicht zu sein und auch in geschlossenen Räumen betrieben werden zu können, versagten aber bei Frost. Daher wurde bei Kälte ihre Umgebung mit Fackeln erwärmt oder aber das Wasser durch Quecksilber ersetzt.
Etwa zeitgleich verbreiteten sich Kerzenuhren. Hier wurde mithilfe der Abbrenngeschwindigkeit einer Kerze mit einem bestimmten Durchmesser die Zeit ermittelt. Kerzenuhren wurden jedoch bei Luftzug ungenauer und waren zudem wegen des hohen Wachsverbrauchs teuer. Auf dem gleichen Grundprinzip basierten Öllampenuhren, bei denen der durch die Verbrennung des Öls sinkende Pegel im Vorratsbehälter als Basis für die Zeitmessung diente.

Das Erscheinen von Wanduhren in Frankreich und Deutschland

Die ersten Wanduhren tauchten in Europa im Mittelalter auf. Zu den bekanntesten zählt die französische Comtoise-Uhr, die von Ende des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in der Nähe von Morez hergestellt wurde, jedoch bis etwa 1950 fast nur in Frankreich bekannt war. Dieser Uhrentyp war ursprünglich für einfache Haushalte gedacht, in denen man sich nur eine Uhr leisten konnte. Daher rührt ihr lauter Schlag, der im ganzen Haus zu hören war.
Sehr bekannt ist auch die ebenfalls französische Carteluhr, die von etwa 1730 bis ins 19. Jahrhundert gefertigt wurde. Die schönsten und aufwändigsten Exemplare dieser federgetriebenen Wanduhr stammen aus der Zeit von Ludwig XV. und Ludwig XVI. Die Nachbauten aus Österreich, der Schweiz und Schweden erreichten jedoch nie die Popularität des französischen Originals, was vor allem an der einfacheren Bauweise gelegen haben dürfte.

Ende des 17. Jahrhunderts entstanden die ersten Schwarzwalduhren, die sich bis heute vor allem bei ausländischen Touristen einer großen Beliebtheit erfreuen. Sie waren zunächst sehr einfach und bestanden vollständig aus Holz. Erst später mit Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Exemplare mit Kuckucksruf produziert; etwa ab 1730, wurden in manche Schwarzwalduhren auch Orgelwerke eingebaut.

Moderne Wanduhren arbeiten mit Quarzuhrwerken

Sowohl die beiden genannten französischen Uhren als auch die deutsche Schwarzwalduhr wurden mit einem Pendeluhrwerk betrieben, das durch Gegengewichte immer in Bewegung gehalten und regelmäßig aufgezogen werden musste. Die heutigen modernen Wanduhren verfügen über dieselben technischen Vorzüge wie auch andere Uhren: Pendeluhrwerke werden allenfalls aus nostalgischen Gründen benutzt. Die Wanduhren verfügen in der Regel über ein Quarzuhrwerk, viele von ihnen sind Funkuhren, die immer die richtige Zeit anzeigen.